Dieter Wiesmann, Reinhard Mey – und vor allem: Jacques Brel

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Dieter Wiesmann, habe ich vor ein paar Tagen geschrieben, verdanke Reinhard Mey sehr viel. Das stimmt schon. Allerdings müsste hier noch ein anderer genannt werden, dem er sehr viel verdankt. Sehr viel mehr sogar, wie ich finde. Weniger musikalisch, weniger von der Art und Weise her, wie er seine Lieder vortrug – da stand Dieter Wiesmann bedeutend undramatischer auf der Bühne. Aber inhaltlich, textlich, befand sich Wiesmann in grosser Nähe zu dem Franzosen; er war ihm näher als dem Deutschen. Reinhard Meys Lieder waren zu seiner besten Zeit witzig, manchmal ein bisschen gesellschaftskritisch – später rutschte er in den (gehobenen) Schlager ab. Aber mit Jacques Brel teilt Wiesmann die Erfahrung, dass die Liebe absurd ist, dass die Welt absurd ist. Und er teilt die Hoffnung des lyrischen Ich, trotzdem aus dem Kampf mit Liebe und Welt als Sieger hervorzugehen. Das lyrische Ich wird nicht als Sieger hervorgehen. Aber es weiss das nicht, nur der Zuhörer weiss es. Das macht den Narren erst zum Narren. Und die Hoffnung erst zur Hoffnung. Denn letzten Endes kann sich der Zuhörer nicht enthalten, trotz allem mit dem Narren auf eine Realisierung der Erwartungen an das Leben und an die Liebe zu hoffen. Dies fehlt in Reinhard Meys dann doch relativ platter Lyrik.

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